Die Logik der Gefühle

Gefühle haben ihre eigene Logik. Diese „Logik der Gefühle“ oder „Affekt-Logik“ (Luc Ciompi) zu verstehen, ist wichtige Voraussetzung für wirksame Führungshandlungen und Beraterinterventionen in Unternehmen.

Unsere Emotionen werden von einem recht alten Gehirnteil, dem limbischen System verarbeitet, daher reagieren wir emotional meistens nicht wie Menschen des 21. Jahrhunderts, sondern sehr „frühzeitlich“, besonders, wenn unsere Emotionen sehr heftig werden (dann wird das Großhirn quasi überstimmt).

Zu dieser eigenen „Logik der Gefühle“ einige neurobiologische und affektlogische Grundlagen:

  • Denken und Fühlen sind untrennbar miteinander verbunden. Dies widerspricht der rationalistisch-logischen abendländischen Kultur („Bleiben Sie doch sachlich!)
  • Jedoch sind die Großhirnrinde als Zentrum des Denkens und das limbische System als Zentrum des Fühlens sind immer gleichzeitig aktiv)
  • Das Organ unserer Gefühle ist unser Körper. Gefühle fühlen sich „überall“ an — dies schlägt sich auch in der Sprache nieder: „kalte Schauer, die über den Rücken laufen, aufgestellte Nackenhaare, Kribbeln im Bauch, Schmetterlinge im Bauch, Gänsehaut, Dröhnen im Kopf, weiche Knie …“
  • Gefühle sind Motor und Bremser des Denkens – intensive Gefühle (Freude, Wut) erhöhen Tempo, gedämpfte Gefühle (Angst, Trauer) verlangsamen das Tempo
  • Unsere Gedanken werden durch unsere Gefühle maßgeblich beeinflusst und „gefärbt“. Diese Gedanken erzeugen wieder neue Gefühle. Dadurch entstehen Aufwärtsspiralen (Euphorisierung), bzw. (viel öfter) Abwärtsspiralen (sich in die Wut hineinsteigern, Angstspirale in Richtung Panikattacken, zwanghaftes Grübeln).
  • Unsere Gefühle fokussieren unsere Aufmerksamkeit. Wenn ich die Welt „rosa“ sehen, nehme ich andere Dinge wahr bzw. Dinge anders wahr, als wenn ich „rot“ sehe.
  • Gefühle schaffen Denk-Hierarchien, je nach Gestimmtheit werden bestimmte Denkinhalte wichtiger als andere; Gefühle beeinflussen Lernen und Erinnern, bestimmen das Speichern bestimmter Denkinhalte – gefühlsmäßig stark gefärbte Situationen bleiben stärker in Erinnerung (der superschöne Urlaub, das superpeinliche Gespräch, die superärgerliche Projektmeeting)
  • Gefühle ziehen wie ein Magnet bestimmte Gedanken an und stoßen andere ab. Wenn ich Angst habe, bin ich viel aufnahmefähiger für Gedanken und Informationen, die meine Angst nähren. Wenn ich mich ärgere, kann ich etwas anderes gar nicht wahrnehmen.

Gefühle haben ihre eigene Logik und Funktion. Dabei ist kein Gefühl schlechter oder besser. Gesellschaftlich, insbesondere in Organisationen werden jedoch manche Gefühle eher tabuisiert und andere eher erwünscht. Grundsätzlich verarbeiten Menschen tiefgreifende Veränderungen (auch positive) nach einem ähnlichen emotionalen Prozess und durchlaufen dabei bestimmte Grundgefühle.

Je nachdem, ob wir diese Veränderung bewusst planen oder wir Betroffene sind, entstehen unterschiedliche Prozesse.

Auch wenn ich Veränderungen bewusst plane und entscheide, d. h. Initiator von Veränderungen bin, gehe ich durch einen emotionalen Prozess (oder bin bereits durchgegangen). Dieser ist jedoch nicht so tiefgreifend und geht schneller durch bestimmte Phasen, als wenn ich mit einer tiefgreifenden Veränderung von aussen konfrontiert werde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s